Funktionelle Bewegungslehre – eine Rückmeldung aus der Praxis

Rita Bazelli-Wüest, dipl. Physiotherapeutin, CH-AdligenswilFunktionelle Bewegungslehre – eine Rückmeldung aus der Praxis

Die funktionelle Bewegungslehre (FBL) ist in meiner therapeutischen Arbeit eine unerlässliche Methode in der Befunderhebung, beim Erkennen von statischen Zusammenhängen und in der Problemlösung. Die FBL untersucht den Zusammenhang der Körpermasse und der sich daraus ergebenden Funktionen beziehungsweise Funktionsstörungen. Bereits bei der Befunderhebung kann ich Dank dieses Wissens anhand der Symptome die funktionelle Verknüpfung zur Ursache erkennen und daraus den geeigneten therapeutischen Ansatz finden. Es wird ersichtlich, welche Störungen durch Veränderungen der Haltung und der muskulären Funktionen behoben oder verbessert werden können. Bei gegebenen statischen, von der Norm abweichenden Verhältnissen kann ich gezielt nach geeigneten Anpassungen im Bewegungsverhalten, am Arbeitsplatz etc. suchen.

Die therapeutischen Übungen aus der FBL beinhalten richtig angewendet ein komplexes Konzept von der Mobilisation der Gelenke (mob. Massage, widerlagernde Bewegungen) über die Förderung der muskulären Fähigkeiten nach einer Störung (Verletzung) bis hin zum Kraftaufbau. Ich bin absolut begeistert vom funktionellen Aufbautraining und ich habe schon so manchen Sportler davon überzeugt.

Rita Bazelli-Wüest, dipl. Physiotherapeutin, CH-Adligenswil
Erfahrungen mit der FBL aus ärztlicher Sicht

Dr. med. Urs Schlumpf, RheumatologieErfahrungen mit der FBL aus ärztlicher Sicht

Das sog. Basisprogramm der Funktionellen Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach (FBL) hat sich zur Behandlung, aber ebenso als Präventionsschulung von Berufsmusikern stets besonders bewährt, da die heilgymnastischen Elemente für die Betroffenen leicht verständlich sind, für funktionelle Störungen, d.h. für instrumentenspezifische Haltungsprobleme und für berufsspezifische muskuloskelettale Ueberlastungen, auch bei motorischen Stereotypien, gezielt eingesetzt werden können und das eigene Mitwirken (aktive Therapie) im Vordergrund steht.
Im rheumatologischen Alltag habe ich die FBL vor allem bei Rückenpatienten (sog. low back pain) als ausserordentlich nützliches Therapiekonzept zu schätzen gelernt. Dabei wird der Einfluss von konstitutionelle Abweichungen auf das Bewegungsverhalten analysiert, Bewegungen aus gut fassbaren Ausgangsstellungen instruiert und stets die Rolle der Atmung hinreichend im Behandlungsplan integriert.

Dr. med. Urs Schlumpf, Rheumatologie

Erfahrungsbericht

Johanna Gutzwiller, Physiotherapeutin und Dozentin, BaselErfahrungsbericht

Für mich ist FBL ein unverzichtbarer Bestandteil in meinem Praxisalltag und selbstredend auch in meiner Unterrichtstätigkeit mit künftigen Berufsmusikern und Berufsmusikerinnen. Mindestens Dreiviertel meiner Patienten in der Praxis sind Berufsmusiker/Innen, darunter leider auch viele, die noch im Studium sind. Die Beobachtung des Geschehens beim Instrumentalspiel und im Gesang, aber auch die Schulung zu therapeutischen Zwecken und in der Prävention weiterer Spielschäden sind für mich persönlich untrennbar verbunden mit meinem erworbenen und im Praxisalltag sich ständig entwickelnden Wissen und Können in den theoretischen und praktischen Grundlagen in der Funktionellen Bewegungslehre nach Klein - Vogelbach. Die Arbeit auf dieser Basis ermöglicht es, den Musiker/Innen durch die Vermittlung von Körperwahrnehmung, Bewegungskompetenz und Hintergrundwissen zu einer grösstmöglichen Selbständigkeit auf ihrem weiteren Berufsweg zu verhelfen.

Johanna Gutzwiller, Physiotherapeutin und Dozentin, Basel
Bei Musikern ist die FBL eine große Hilfe

Prof. Dr. med. Dipl. Mus. Horst HildebrandBei Musikern ist die FBL eine große Hilfe

Ich habe die FBL als eine innerhalb der Physiotherapie besonders differenziert arbeitende Therapie- und Schulungsrichtung kennen gelernt. Die Genauigkeit der Anleitung und Ansteuerung spezifischer Muskelgruppen entspricht den Anforderungen zeitgemässer Bewegungstherapien unter dem Motto: „erst ansteuern und koordinieren können – dann auftrainieren“.
In der Therapie funktioneller Beschwerden des Bewegungsapparates bei Musikern ist die FBL daher eine grosse Hilfe. Hervorzuheben sind ihre eigenständigen Übungskonzepte für die Feinmuskulatur der Wirbelsäule, die Koordinationsübungen für die obere Extremität und insbesondere deren feinmotorischen Anteile.

Prof. Dr. med. Dipl. Mus. Horst Hildebrandt Schweizerisches Hochschulzentrum für Musikphysiologie SHZM Zürcher Hochschule der Künste und Hochschule für Musik Basel Bereich Musikphysiologie / Musik- und Präventivmedizin Affiliated Fellow des Collegium Helveticum der Universität und ETH Zürich
Die FBL aus der Sicht eines emeritierten orthopädischen Chirurgen

Dr. med. Andreas BurckhardtDie FBL aus der Sicht eines emeritierten orthopädischen Chirurgen

Jeder Therapeut hat die Tendenz, seine eigene Leistung als ausschlaggebend für einen Behandlungserfolg zu halten. Dies gilt für den Internisten und seine Medikamente, den Chirurgen mit seinen Eingriffen, die Physiotherapeutin mit der FBL und nicht zuletzt den Patienten, der nach einem geglückten Eingriff, einer sehr raschen Rehabilitation, einer Schmerzbefreiung durch effiziente Medikamente in aller Aufrichtigkeit behauptet und es auch glaubt, dass er das gute Resultat allein dem Kräutertrank aus dem Appenzell zu verdanken hätte. 

Auch der Unterzeichnete hat seinen eigenen Beitrag zum Erfolg wohl häufig überschätzt bis er sich vor einigen Jahren nach einem Skisturz auf die rechte Schulter und einer mehrmonatigen erfolglosen Eigenbehandlung schliesslich in die Behandlung einer ihm bekannten Physiotherapeutin begab, mit welcher er schon häufig Behandlungskonzepte gemeinsamer Patienten – zT. auch recht kontrovers – erörtert hatte. Die Diagnose lautete auf eine veraltete hintere Rotatorenmanschetten-Ruptur, bei welcher die gerissenen Mm Infraspinatus und Teres minor so atrophisch waren, dass eine operative Behandlung wenig aussichtsreich war. 

Primär skeptisch aber doch beeindruckt durch die minutiöse Bestandes-Aufnahme, die subtile Kraftausübung, den für den Patienten kaum merkbaren Einsatz der ganzen Bewegungskette inklusive der Rückenfunktion, und den Aufbau eines abwechslungsreichen aber nicht überfordernden Übungsprogrammes, konnte ich eine zunehmend positive Einstellung zum Therapiekonzept konstatieren. Innert weniger als zwanzig Behandlungen, waren die Schultern wieder schmerzfrei und seitengleich beweglich und sind es bis auf den heutigen Tag geblieben. 

Für mich habe ich daraus die Lehre gezogen, dass bei gegebener Indikation das Therapiekonzept der FBL zu einem ausgezeichneten Resultat führen kann. 

Dr. med. Andreas Burckhardt, Orthopädischer Chirurg, Lostorf

Markus Oehl, PT, MFKSc, CIFKRückblick auf den Studiengang Master Of Functional Kinetic Science (MFKSc)

Ende August 2013 endete für 15 Studierende der Studiengang „Master of Advanced Studies in Functional Kinetic Science“ an der medizinischen Fakultät der Universität Basel. Einen Monat später endete mir mich ein anspruchsvolles, vielseitiges und bereicherndes Studium mit der Präsentation und Verteidigung meiner Master Thesis.

Doch wie heißt es so schön: Vor dem Lohn steht die Arbeit. In unserem Studium standen zunächst die fachspezifischen Inhalte rund um das Konzept der FBL/Functional Kinetics auf dem Programm. Anschließend wurden umfangreiche Inhalte anderer medizinischer Fachgebiete präsentiert und interdisziplinär mit- und untereinander verknüpft.

Die Verknüpfung von funktionell orientierter physiotherapeutischer Bewegungsanalyse und Therapie mit den aktuellen Erkenntnissen aus Faszienforschung, motorischem Lernen, Orthopädie, Neurologie, Ernährungswissenschaft, Neurowissenschaft, Biomechanik, Sportmedizin und Trainingswissenschaft war gewissermaßen der „Rote Faden“, der sich durch diesen Studiengang zog. Alle Studieninhalte und aktuelle Forschungsergebnisse wurden unmittelbar auf ihre Relevanz, Auswirkung und Integrationsmöglichkeit in Bezug auf eine funktionell orientierte Bewegungstherapie hin untersucht.

Die Studieninhalte wurden vervollständigt mit Modulen zu wissenschaftlichen Arbeiten, Statistik, Präsentationstechniken, Management, sensomotorischer Koordination und deren Veränderung im Alter, Direct Access und Neurodynamik.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man bei einem Pilot-Studiengang noch über keine Erfahrungswerte verfügt. Insofern werden sicherlich die Erfahrungen dieses Studiengangs in den mittlerweile neu gestarteten Studiengang  einfließen. Günstig wäre zukünftig –auch im Hinblick auf die eigene wissenschaftliche Abschlussarbeit- ein früherer Start mit den Modulen: Wissenschaftliches Arbeiten und Statistik.

Der Studiengang war professionell organisiert, dennoch war das Gefühl von „Premiere“ auf angenehme Art allgegenwärtig. Die Studiengangleitung, Prof. Dr. med. Friederich und Andreas M. Bertram wussten um die Chance dieses Studiengangs und standen den Studierenden bei Bedarf immer engagiert und unterstützend zur Seite.

Vieles ist oft im Vorfeld planbar, aber natürlich nicht, wie eine Gruppe zusammenfindet. Bei einer derart kleinen Gruppe von 15 Studierenden bleibt zum Glück auch im Unterricht viel Zeit für gemeinsame Diskussionen, man lernte einander kennen. Und auch außerhalb der Uni wurde viel miteinander unternommen, die Gruppe ist zusammengewachsen, Freundschaften sind entstanden und der Umgang mit- und untereinander war großartig.

Und wie so oft bei wichtigen Ereignissen im Leben: Es gibt Situationen, da gibt es ein lachendes und ein weinendes Auge. Dieses Gefühl herrscht auch jetzt am Ende des Studiums vor: Es ist schön, es geschafft und geleistet zu haben und es ist traurig, dass es vorbei ist.


Koblenz, 20.10.2013                                                                                                                                                      Markus Oehl

© 2018 FBL Functional Kinetics Klein-Vogelbach | www.fbl-klein-vogelbach.org

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