Susanne Klein-Vogelbach und die Entwicklung der FBLWas ist FBL Functional Kinetics?
Gründerin des Konzeptes FBL – Functional Kinetics ist Dr. med. h. c. Susanne Klein-Vogelbach (1909-1996). Sie lebte und arbeitete ab 1950 in Basel, Schweiz. Ihre Ausbildung in Schauspiel und Rhythmischer Gymnastik sowie ihre stete Neugier für das Bewegungsverhalten des Menschen prägten ihre Arbeit.
Sie vertrat die Ansicht, dass gesunde natürliche Bewegung als schön empfunden wird und dass alle Menschen die Fähigkeit in sich tragen, bei ihren „Artgenossen“ normale Bewegungsabläufe von gestörtem Bewegungsverhalten zu unterscheiden.
In der Konfrontation mit der unterschiedlichen Bewegungsbegabung von verschiedenen Menschen trat schon früh die Frage auf, warum ist ein beliebiger Bewegungsablauf für manche Menschen ganz selbstverständlich und einfach während er anderen - trotz Üben – nicht gelingt. Die Suche nach Gründen führte sie schon bald zur Erkenntnis, dass nicht nur Kondition und Mentalität eines Menschen sein Bewegungsverhalten beeinflussen, sondern auch die
Konstitution. Übungen entsprechend anzupassen ist für den Therapeuten eine grosse Herausforderung.
Für ihre Analysen orientierte sich Susanne Klein-Vogelbach am Bewegungsverhalten des Gesunden. Dies beschrieb sie detailliert und formulierte die
hypothetische Norm. Sie systematisierte und vereinfachte die Bewegungsanalyse und die Beschreibung von Bewegungsabläufen. Es gelang ihr, beobachtbare Merkmale zu definieren, die dem Therapeuten eine quantifizierbare Beurteilung der Abweichungen ermöglichen.
In der Arbeit mit Patienten, Schülern und Therapeuten entwickelte sie eine Vielzahl von therapeutischen Übungen und manipulativ-didaktischen Techniken, die dem Therapeuten in der Behandlung der Patienten ein grosses Instrumentarium bieten.
Die Freude an anmutigen, kreativen Bewegungen sowie an der Vermittlung von Bewegung war die Triebfeder für stetiges Verändern und Anpassen des Konzepts an neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Davon profitierten ihre Schüler und Kursteilnehmer.
Prinzip und Ablauf
Der Bewegungsanalyse liegen bestimmte
Beobachtungskriterien zugrunde, die sich auf alle Gelenke des Körpers, auf statische Positionen und auf kinematische Ketten anwenden lassen. Sie liefern Daten über:
- die Harmonie einer Bewegung,
- die Timing des Bewegungsablaufs,
- den Rhythmus,
- und das Bewegungsausmaß.
Sie sind äußerst praxisrelevant und schließen die Fähigkeit ein, räumliche und zeitliche Qualitäten der Bewegung intuitiv zu erfassen. Die FBL folgt dabei dem Prinzip der Ökonomie, d.h. maximales Erscheinungsbild bei minimalem Aufwand und Verschleiss.
Die Grundlage für die Arbeit mit dem Patienten bildet die Untersuchung, in der die Abweichungen von der hypothetischen Norm erfasst werden und deren Auswertung das „funktionelle Problem“ beschreibt. Der Therapeut bestimmt aufgrund der gefundenen Defizite und Ressourcen, welche Anforderungen er dem Patienten zumuten kann und will. Er entscheidet sich für den Einsatz bestimmter manipulativ-didaktischer Techniken und therapeutischer Übungen, die an
Konstitution und Kondition immer wieder angepasst werden müssen. Während der Behandlung wird konsequent überprüft, ob die Behandlungsziele erreicht werden. Der Patient soll lernen, sein
funktionelles Problem zu verbessern oder möglichst ökonomisch damit umzugehen. So findet er zu einem ökonomischen Bewegungsverhlaten zurück.
Inhalte
Die FBL Functional Kinetics befähigt Physiotherapeuten, das Bewegungsverhalten des Menschen zu beobachten, detailliert zu beschreiben und mit Hilfe von geeigneten Massnahmen zu verändern. Das Konzept bietet dem Therapeuten eine Vielzahl von Tools wie:
- Beobachtbare Kriterien zur Beschreibung von Haltung und Bewegung,
- Beobachtbare Kriterien zur Untersuchung von Alltagsaktivitäten, wie z.B. das Gehen sowie Kriterien zur Untersuchung von berufsspezifische Bewegungen, z.B. Musizieren,
- Manipulativ-didaktische Techniken (hubfreie Mobilisation, widerlagernde Mobilisation, Mobilisierende Massage), der Patient wird von Anfang an aktiv miteinbezogen und nicht „nur“ behandelt, das Konzept geht von hands-on zu hands-off,
- Therapeutische Übungen mit und ohne Ball, ein unendlicher Fundus für die tägliche Arbeit in der Rehabilitation und Prävention. Die Funktion einzelner Körperabschnitte wird im Hinblick auf die Bedürfnisse im Alltag trainiert, bei der Wahl der Übung steht die Alltagsrelevanz im Vordergrund.
- In vielen Übungen wird das Lernziel reaktiv erreicht und der Transfer in ein ökonomisches Bewegungsverhalten wird geprägt.
- Die Übungen sind nicht nur ein Behandlungs- sondern auch ein Testinstrument für den Therapeuten, um Fortschritte beurteilen zu können.
- Ein Analysenkonzept für Übungen, das jedem Therapeuten ermöglicht, Übungen zu konzipieren und anzupassen. Es gibt keine Übungsschemata, sondern die Übungen werden individuell eingesetzt und angepasst.
- Analytisches Denken, das dem Therapeuten hilft, verschiedene therapeutische Techniken sinnvoll zu kombinieren und einzusetzen